Die Feuerfahnen der Feuerwehr Hildrizhausen

Als im Jahre 1928 das Dach des alten Rathauses neu gedeckt wurde, machte man auf dem Dachboden einen erfreulichen Fund: die Fleckenfeuerfahne aus dem Jahre 1787. Sie ist die älteste noch erhaltene "Gerätschaft" des organisierten Feuerlöschwesens in Hildrizhausen. Sie hatte die Funktion, den Löscheinsatz der Hildrizhausener Pflichtwehr - insbesondere bei auswärtiger Hilfeleistung - zu markieren. Die Wehr nahm bei ihren Einsätzen dieses Erkennungszeichen mit und pflanzte es am Einsatzort ein. Die Löschhilfe im Nachbarort wurde schließlich auch honoriert. Obwohl in diesem Zeitraum auch andere Gemeinden solche Feuerfahnen sich anfertigen ließen (z.B. Gültstein), ist eine herzogliche Direktive, die die Führung einer Feuerfahne vorschrieb, nicht bekannt. Es ist denkbar, dass das Erscheinen solcher Feuerfahnen im Zusammenhang mit der Landesfeuerlöschordnung von 1752 stehen. Denn die Feuerfahne 1787 ist nicht die erste der Gemeinde, sondern bereits 1750/51 wird eine Fleckenfeuerfahne in der Bürgermeisterrechnung (= Gemeindehaushalt) erwähnt; sie bleibt bis 1817/18 nachweisbar. Leider gibt die Quelle keine Beschreibung jener ersten Fahne.



In der Feuerfahne von 1787 ist die Grundfarbe rot, und aufgemalte, goldene Bänder zeigen ein Flammenmuster. In der Mitte befindet sich beidseitig auf Wappendecke und Pflanzenornamenten ein Wappenschild, darüber schwingt sich ein Spruchband.

Vorderseite
Das Spruchband trägt die Aufschrift: 'J. J. Hildrizhausen GS'; der Ortsname ist eingerahmt von dem Namenskürzel des damals amtierenden Schultheißen Johann Jakob Gaus (1780 - 1804). Der Schultheiß war - im Unterschied zum heutigen Bürgermeister - ausgestattet mit polizeilichen und richterlichen Kompetenzen. Es gehörte selbstverständlich auch das Kommando über die zum Löschdienst verpflichteten Bürger dazu. Deshalb erscheint sein Name auf dem Spruchband.

Die geschwungene Kartusche zeigt das Wappen Hildrizhausens. Es ist ein sog. 'sprechendes Wappen', mit einem Haus auf grünem Bodengrund. Die Hügel im Hintergrund kann man sich gut als den ansteigenden Schönbuch vorstellen. Das heutige Gemeindewappen trägt zur Unterscheidung von anderen Wappen mit Haussymbolen ein weißes Pflugmesser (Sech) im grünen Boden (seit 1938). Das Sech bildete von alters her (eine genaue Datierung ist hier nicht möglich) das Fleckenzeichen Hildrizhausens auf seinen Markungssteinen.

Rückseite:
Das Spruchband über dem württembergischen Wappen gibt das Jahr der Anschaffung an: 1787 und nennt den regierenden Fürsten: C[arl]. [Eugen] H[erzog]. Z[u]. W[ürttemberg] ...





Über dem Wappenschild befindet sich eine Fürstenkrone. Das Wappenschild ist viergeteilt und trägt ein Herzschild mit dem württembergischen Stammwappen: den drei schwarzen Hirschstangen auf gelbem Grund. Die gelb-schwarzen Rauten im linken, oberen Feld zeigt die Herrschaft über Teck'schen Gebiete an. Daneben ist die Reichsturmfahne abgebildet; im Mittelalter wurde sie dem kaiserlichen Hauptheer vorangetragen. Als hohe Auszeichnung und Amt erhielt sie 1495 Eberhard im Bart vom Kaiser zu Lehen. Im linken unteren Geviert erinnern die zwei Barben an die Grafschaft Mömpelgard (Montbeliard bei Belfort), die 1407 durch Heirat an das Haus Württemberg gelangte und erst 1792 vom revolutionären Frankreich annektiert wurde. Das letzte Feld beinhaltet das 'redende Wappenbild' ("Heidenrumpf") der Herrschaft Heidenheim.

Im Jahre 1968 erhielt die Hildrizhausener Feuerwehr eine Standarte; das Geld hierfür kam aus der Kameradschaftskasse, Altmaterialsammlungen und Blutspenden der Mitglieder zusammen. Zur Fahnenweihe am 30. Juni fand eine groß angelegte Waldbrandübung statt, zu der nicht weniger als 12 verschiedene Wehren des Kreises Abordnungen delegierten.

Die Vorderseite zeigt auf rotem, samtenen Hintergrund das heutige Gemeindewappen, während die Rückseite vor Silberhell den Schutzpatron der Feuerwehrleute St. Florian abbildet.