Die Hildrizhausener Feuerwehr Mitte 18. Jh.

Die älteste örtliche Feuerlöschordnung im Hildrizhausener Gemeindearchiv ist ein oberamtlicher Vordruck aus dem Jahre 1853, deren handschriftliche Einträge 1860 "entworfen" wurden, die aber wiederum erst 1872 der Gemeinderat beurkundete. Leider gibt dieses Aktenstück keine Auskunft über Mannschaftsstärke und Gerätestärke. Man kann sich jedoch aufgrund dieser Anordnungen ein Bild von der Feuerlöschorganisation in der Mitte des letzten Jahrhunderts machen, die bis zur Bildung einer Freiwilligenabteilung uneingeschränkt Gültigkeit besaß:

Ganz im Sinne einer allgemeinen Feuerwehrpflicht, bei der jeder Bürger zu aktiver Hilfeleistung gehalten war und alle tauglichen Männer in sog. Feuerrotten organisiert waren, oblag die Leitung des Löschwesens ganz in Händen der Ortsführung und des Gemeinderats. Es gab also keine eigene Feuerwehrorganisation. Bei einem Brand im Dorfe hatte der "Ortsvorsteher" (1885 war es Jacob Notter) die Leitung zu übernehmen. Die Spritzenmeister, die die Wartung der Spritzen übernahmen und sie beim Einsatz anführten, wurden alljährlich vom Gemeinderat im Zuge einer Revision der Feuerlöschordnung bestimmt. Gleichfalls ernannte er jährlich die Mannschaft zu den Leitern und Haken (die spätere Steigermannschaft). Sie bildete eine Kernabteilung innerhalb der Pflichtfeuerwehr und war der Vorläufer für die spätere freiwillige Abteilung. Der Gemeindepfleger hat die Aufsicht über die sonstigen Löschgerätschaften und erhielt dafür einzig eine Entschädigung. Bei späteren Verordnungen erhielten der Stab und die Spritzenmeister eine feste Vergütung. Eine Überprüfung der Feuerspritzen sollte "in der Regel des Jahrs zweimal und zwar im Früh- und Spätjahr (vor den Jahrmärkten)" durchgeführt werden. Die Obleute der vier Feuerrotten setzten sich in der Regel aus Gemeinderäten zusammen. Das Feuerlöschwesen bildete einen festen Bestandteil der sonstigen Ortsführung und -verwaltung.



Bei Brandausbruch

Bei Brandausbruch schlug der Mesner - auch ohne ausdrücklichen Befehl des "Orstvorstandes" - mit den Kirchglocken Alarm. Alle erwachsenen Bürger erschienen mit Löschgerätschaften am Brandplatz. Gastwirte mussten bei Androhung von Strafe ihren Ausschank und Betrieb beenden. Im Winter hatten Frauen, Bierbrauer und sonstige Einwohner, die einen Kessel befeuerten, heißes Wasser bereitzustellen, um das Einfrieren der Spritzen zu verhindern. Derjenige Pferdebesitzer, welcher zuerst am Spritzenhause erschien, um sich als Feuerreiter zu melden, erhielt eine Prämie von 1 Gulden (= 60 Kreuzer); der zweite 40 Kreuzer, der dritte bekam 20 Kreuzer. Zudem erhielt jeder Feuerreiter einen Rittlohn von 1 Gulden. Sie hatten die Brandnachricht an die Nachbarorte Altdorf und Ehningen zu tragen, bei besonders gefährlichem Feuer (bei Wind oder Wassermangel) auch nach Rohrau. Schließlich überbrachte in jedem Falle ein Reiter die Nachricht unverzüglich an das Oberamt nach Herrenberg. Gleichfalls mit Prämien wurden die Fuhrleute zu einem möglichst raschen Erscheinen am Spritzenhaus motiviert: 1 Gulden für das erste Pferdegespann, 40 Kreuzer erhielt das zweite.



Paragraph 2 der Feuerlöschordnung von 1872 betont:

„für Dienstleistungen bei Feuersbrünsten im Ort wird keine Belohnung gereicht..“

Andererseits verspricht Paragraph 4:

"Dagegen wird denjenigen, welche sich bei Löschung eines Brandes besonders thätig bezeigen, oder sich sonst auszeichnen, öffentliche Belobungen und Belohnungen zugesichert".

Die Mannschaft an der Pumpe wurde bei ihrer schweren Arbeit mit einem Vesper bei Kräften gehalten. Dagegen sagt diese Ordnung den Löschmannschaften und ihren Obleuten 1 Gulden, bzw. 1 Gulden 30 Kreuzer pro Tag zu, wenn sie zur Löschhilfe im Nachbarort "auf dem Brandplatz angekommen sind und gearbeitet haben". Ebenso sollen dann Fuhrleute und Spritzenmeister eine Vergütung bekommen. Andere Paragraphen wenden sich gegen 'Gaffer', Plünderer, solche, die sich den Anweisungen widersetzen und gegen diejenigen, die sich den Löscharbeiten entziehen, um "sich unnötigerweise und zu frühe mit Flüchtung ihrer (eigenen) Mobilien (zu) beschäftigen…“

All diese Bestimmungen hinterlassen den Eindruck, dass eine allgemeine Einsatzbereitschaft bei der damaligen Struktur der Pflichtfeuerwehr nicht immer ausreichend gewährleistet war.

Die nächste, beurkundete Feuerlöschordnung dieses Ortes stammt aus dem Jahr 1878. Sie verändert in ihrem - ebenso oberamtlichen - Vordruck wenig an den 1872 geltenden Anordnungen: Die Prämienzahlungen wurden von Gulden auf Markwährung umgestellt, nachdem 1876 die Mark als allgemeine Währung im neuen Deutschen Kaiserreich eingeführt worden war. Das Alarmläuten unterschied man künftig in: Feuer im Ort selbst (alle drei Glocken der Kirche läuteten) und Feuer auswärts (nur die Rathausglocke schlug, seit 1929 kam noch ein Hornsignal hinzu).





Die Entstehung einer Freiwilligenabteilung

Durch die Württembergische Landesfeuerlöschordnung vom 7. Juni 1885 wurde in den Gemeinden die allgemeine Feuerlöschpflicht dahingehend umgeändert, dass Freiwilligen-, Berufs- oder Pflichtfeuerwehrabteilungen gebildet werden sollten. Ein Jahr darauf -1886 - stellte man bereits Mannschafts- und Gerätelisten für eine reformierte Feuerwehr in Hildrizhausen auf. Letztendlich gab der Gemeinderat am 22. März 1889 seine Zustimmung zur neuen "Lokalfeuerlöschordnung". In den Dorfgemeinden setzte sich sodann die Steigermannschaft aus Freiwilligen zusammen. Sie hatte gemeinsam mit den Obleuten der übrigen Abteilungen das Wahlrecht für die Kommandanten- und Stellvertreterstelle. Quasi als Muster für eine bürgerlich-demokratische Ordnung stellte der Verwaltungsrat, bestehend aus Kommandant, Stellvertreter, Obleute und Spritzenmeister, das oberste Verwaltungsorgan in der neuen Feuerwehrorganisation dar. Demnach liegt die große Neuerung, an welche das diesjährige Jubiläum erinnert,

1. in der Trennung der Feuerlöschorganisation von der Gemeindeverwaltung, der Trennung von Schultheissenamt und Gemeinderatssitz. Während noch 1882 die Gemeinderäte automatisch auch Obleute in der Feuerwehr waren, befand sich im 1889 gebildeten Verwaltungsrat der Hildrizhausener Feuerwehr allein Wilhelm Glaser gleichzeitig mit Stimme im Gemeinderat. Jedoch schon in den 90er Jahren machte der damalige Kommandant Schittenhelm seinen Einfluss auch als beliebter Gemeinderat für die Belange der Feuerwehr geltend, so dass eine personelle Klammer zum bürgerlichen Gremium auf freiwilliger Basis bestehen blieb.

2. formierte sich eine spezialisiertere und geübtere Kernabteilung: Der Steigerzug hatte pro Jahr mindestens 6, die übrigen Züge (Abteilungen) hingegen nur 3 Übungen, teils einzeln, teils in Verbindung abzuhalten. Außerdem fanden jährlich 2 Hauptproben mit der ganzen Feuerwehr in der Regel am Rathaus statt.





Die Ausrüstung der Hildrizhausener Feuerwehr 1889

Bis 1783 lagerten zu Feuerlöschzwecken im Hildrizhausener Rathaus lediglich: 28 Eimer, 2 Feuerhaken, 1 Feuerfahne und 1 hölzerne Handspritze. Dieser Ausrüstungsstand war seit 1750 unverändert geblieben, und man darf annehmen, dass das Feuerlöschmagazin der Gemeinde mehrere Jahrhunderte lang nicht mehr als diese Gegenstände beinhaltete. So bedeutete es ein enormer Fortschritt, wenn die Gemeinde zwischen 1784 und 1789 eine Feuerleiter mit 20 Schuh Länge und eine neue Spritze anfertigen ließ. Die Anschaffung von Ansteckzeichen mit dem Fleckenwappen für die 6 Obleute und eine neue Feuerfahne lassen auch auf eine organisatorische Straffung der Ortsfeuerwehr schließen. Weitere Belege hierfür existieren jedoch nicht.

Dagegen nimmt sich nun das Inventarium der Hildrizhausener Feuerlöschgerätschaften im Jahre 1889 recht stattlich aus:

1. Eine 4-rädrige Feuerspritze mit Standrohr und Schlauchvorrichtung, 135 mm weitem Zylinder und Wasserkasten
[Sie war bis ca. 1947/48 noch voll im Einsatz, bis sie die Motortragespritze TS 8 ablöste. Sie befindet sich noch heute im Besitz der Hildrizhausener Feuerwehr]
2. Eine ältere noch brauchbare Feuerspritze mit Standrohr (Stosspumpe)
[Sie wurde im Rechnungsjahr 1839/40 von der Gemeinde für 680 Gulden beim Reutlinger 'Spritzenfabrikanten' Adam Kurz & Sohn in Auftrag gegeben. Sie blieb bis 1928 im Einsatz und wurde bedauerlicherweise 1955 verkauft.]

3. Eine so genannte Gartenspritze
[wohl eine der Spritzen aus dem 18. Jh.]

4. Zwei Stützleitern 7.68 m lang und eine zusammenstellbare Steigleiter 10 m lang

5. Fünf Dachleitern

6. Drei Steigerleitern

7. Vier Feuerhaken

8. 65 Stück Feuereimer teils ältere, teils bessere, welche in dem unteren Raum des Rathauses aufbewahrt wurden.

Diese Ausstattung entsprach jedoch noch nicht dem verordneten Mindestgerätestand. Insbesondere fehlte eine zweite leistungsfähige Feuerspritze; demnach wäre eine 4-rädrige, 2strahlige Saugfeuerspritze mit einer Leistung von mind. 220 l/min und 28 m Reichweite bei 80 m Schlauch für eine Gemeinde in der Größenordnung von Hildrizhausen erforderlich gewesen. Der Gemeinderat konnte sich dieser großen Neuanschaffung mit dem Argument
entziehen:

"da sich die alte Spritze noch in gutem Zustand befindet und Wasser genügend im Ort vorhanden ist und die Gemeinde in den letzten Jahren durch Erbauung eines neuen Schulhauses (1879), Herstellung einer Wasserleitung... Straßenbau innerhalb und außerhalb des Etters u.s.w. stark in Anspruch genommen wurde".

Andere Gegenstände hingegen wurden alsbald nachgerüstet: u.a. Schlauch, Leitern, Helme und Ausrüstung.
Der Kommandant erhielt einen Dienstrock mit drei goldenen Sternen am Kragen, einen Helm mit weißem Rosshaarbusch, Steigergurte, -seil, -beil und eine Steigerlaterne, dazu eine zweitönige Hupe samt Schnur. Der Stellvertreter hatte dieselbe Ausstattung, jedoch durfte er nur zwei Sterne tragen, eine eintönige Hupe benutzen und sein Helmbusch war rot und weiß. Die Steigermannschaft erhielt ebenso eine Steigerausrüstung. Die Feuerwehrleute vom 1. bis 3. Zug wurden 1889 mit einem einfachen Metallhelm ausgestattet.





Ihre Obleute trugen einen schwarzen Helmbusch. Den Obleuten der übrigen Züge war lediglich eine Feuerwehrmütze zu tragen gestattet. Zur Unterscheidung hatte jeder Zug andersfarbige Armbinden. Schon ein Jahr später wurde für die Steigermannschaft Tuch in Herrenberg bestellt, daraus sollten 23 Dienströcke auf Kosten der Gemeinde entstehen. Die Pflichtfeuerwehrmannschaften waren jedoch nach Erinnerung eines Altfeuerwehrmannes aus Hildrizhausen bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts noch nicht vollständig eingekleidet.





Eine ganz freiwillige Feuerwehr wird gebildet

Der Verwaltungsrat stellte am 23. März 1928 den Antrag, die Hildrizhausener Feuerwehr ganz auf Freiwilligenbasis zu stellen. Im Antrag hieß es ferner:

"Sollte Ziffer 1 [Freiwilligenbasis] nicht angenommen werden oder [nicht] zur Ausführung kommen, so sind die Befreiungsgebühren folgende für Verhinderte pro Übung: 1 Mark, 2 Mark für Ledige."

Eine Bleistiftnotiz am Rande bemerkt dazu: "zu wenig - Vorschlag wie im Vorjahr 1.50 Mark". Anscheinend waren die Pflichtmannschaften zu den vorgeschriebenen Übungen nur schwer zu motivieren. Andererseits waren es wiederum zu viele, um sie gründlich ausbilden zu können, so dass eine Umbildung auf einer rein freiwilligen Basis mehrere Vorteile versprach:

1. Die Mannschaftsstärke wäre reduziert.

2. Eine geschlossene, freiwillige Einheit wäre motivierter.

3. Der Ausbildungsstand kann erhöht werden.

4. Eine feste Feuerwehrabgabe, welche diejenigen zu entrichten hätten, die keinen aktiven Dienst leisteten, sicherte eine feste Einnahme zur Ausstattung der Wehr, denn bisher bestand kein fester Haushaltsposten für das Löschwesen in den Gemeindeeinnahmen.

Der Hildrizhausener Gemeinderat willigt am 20. März 1929 in die Umstellung auf eine rein freiwillige Feuerwehr ein. Die neue Ortsfeuerlöschordnung wurde am 29. April vom Oberamt Herrenberg genehmigt. Als Abgabe für feuerwehrpflichtige Bürger, die keinen freiwilligen Dienst verrichtete, konnte von der Gemeinde eine Abgabe von 2 bis 15 Reichsmark verlangt werden. Im Notjahr 1932 wurde die Feuerwehrabgabe auf 1 bis 10 RM herabgesetzt.



Organisatorischer und struktureller Wandel

Anhand der Tabelle lässt sich deutlich die Wirkung der Umstrukturierung 1886/89 und 1929 auf die Mannschaftsstärke der Hildrizhausener Feuerwehr ablesen.

Mit der Einführung einer freiwilligen Rettungs- und Steigermannschaft ging 1889 auch eine Aufsplittung der übrigen Feuerlöschmannschaften von ursprünglich 4 Feuerrotten in 6 verschiedene Züge einher. Damit erreichte man eine genauere Aufgabenverteilung, so dass im Brandfall effektiver gearbeitet werden konnte. Gleichzeitig verringerte sich die Gesamtmannschaftsstärke der Feuerwehr um ein ganzes Drittel. Die neue Feuerlöschordnung zielte auf Spezialisierung und Rationalisierung im Löschwesen.

Nach dem 1. Weltkrieg musste sich die Feuerwehr neu formieren - das Aktenmaterial gibt für diesen interessanten Zeitraum von 1919/20 lediglich die Gesamtzahl der feuerwehrpflichtigen, männlichen Bürger an. Aber schon im nächsten Geschäftsjahr zeichnete sich eine Reorganisation ab: Zum Stab, dem der Kommandant, der Stellvertreter, ein oder zwei Hornisten angehörten, wurden nun noch zwei Elektriker angegliedert. Seit 1906 ist auch Hildrizhausen an das Stromnetz der EVS angeschlossen. Die Ortswasserleitung wurde 1903 ausgebaut, so dass sich im Ort nun insgesamt 31 Hydranten u.a. zu Feuerlöschzwecken befanden. Diese Veränderungen bedeutete für die Schönbuchgemeinde, wie auch für viele andere Gemeinden in jener Zeit quasi der Eintritt in ein neues Zeitalter. Im Zuge dieser Entwicklung konnte die alte, zweite Spritze durch einen Hydrantenwagen ersetzt werden. Mit Bedauern berichten heute die alten Feuerwehrleute des Ortes, dass diese Spritze um 1955 an einen Alteisenhändler verkauft wurde.

Daß trotz dieses großen Fortschrittes die Wasserversorgung für die künftigen Anforderungen nicht genügte, zeigte sich zwei Jahrzehnte später: Ende der 20er Jahre nahm die Hildrizhausener Wehr an einer Übung in Gültstein teil. Dort war auch die Werksfeuerwehr von Daimler-Benz mit einer Motorspritze "sehr eindrucksvoll" vertreten (die einzige im Umkreis). Auf ihrer Rückfahrt baten jene nun die Sindelfinger, die Motorspritze auch in Hildrizhausen vorzuführen. So schoben diese dort bereitwillig einen Zwischenaufenthalt ein und schlossen die Spritze an das Leitungsnetz, um auch in diesem kleinen Ort stolz die Leistungsfähigkeit ihres modernen Gerätes unter Beweis zu stellen. Es mag auch sein, dass die einheimische Wehr die Zweckmäßigkeit der Anschaffung einer Motorspritze sinnfällig demonstrieren lassen wollte. Wie dem auch sei, der Leistungsbeweis konnte damals doch nicht erbracht werden, weil die örtliche Wasserleitung die Motorspritze nicht genügend mit Wasser zu versorgen vermochte und somit die Pumpe Luft ansog, so dass sich die Schläuche zusammenzogen.

Um dennoch den Einsatz einer modernen, motorisierten Spritze zu ermöglichen, wurde ein Feuersee mit Zufluss vom Rosnegraben (Würm), der selbst in trockenen Jahren Wasser führte, angelegt. Sein Abfluss ging entlang der Altdorfer Straße am Farrenstall vorbei, wo er mit einem Bretterwehr zur weiteren Wasserspeisung angestaut wurde, zum Ruckenbach. Der Feuersee wurde 1935 - in einem damals ehrgeizigen Projekt - für eine vielseitigere Nutzung zu einem Freibad ausgebaut.





Vergleicht man die Gesamtmannschaftsstärke und die Verteilung auf die einzelnen Züge in den Jahren 1922/23 bis 1927 fällt auf, dass sie starken Schwankungen unterlag und einzig der Freiwilligenzug (1.) mit 17 bzw. ca. 25 Mann relativ konstant blieb. Dieser Fluktuation entgegenzuwirken und die Feuerwehrorganisation zu stabilisieren (vgl. auch: Erhöhung der "Befreiungsgebühren"), wurde vom Verwaltungsrat der Feuerwehr die gänzliche Umstellung auf Freiwilligenbasis gefordert. Das Ergebnis der neuerlichen Umstrukturierung war wiederum eine Herabsetzung der Mannschaftsstärke um ca. ein Drittel - auf das Maß der tatsächlich Einsatzwilligen. Die Züge II bis VI wurden stark verringert, hingegen der Steigerzug (1) auf 30 Mann aufgestockt. Leider fehlt das Zahlenmaterial für die nächste, erzwungene Umstellung der Freiwilligen Feuerwehr zur Polizeihilfstruppe; jedoch fand im Zuge dieser Reorganisation auch statt.





Umfunktionierung im Dritten Reich

Im nationalsozialistischen Staat konnte die Feuerwehr keinesfalls in ihrer bestehenden organisatorischen Form belassen werden. Vereinheitlichung, Zentralisierung und Führerprinzip galt es auch im Feuerlöschwesen auszugestalten.

Der Erlass des Württembergischen Innenministers vom 24. März 1936 brachte sodann die Übereinstimmung mit dem Reichsfeuerwehrgesetz. Die gesetzliche Ausgestaltung des Feuerlöschwesens zog sich weiter bis zum Kriegsausbruch hin. Die Einbindung in die nationalsozialistische Ideologie und die bereits gespannte Kriegsbereitschaft lässt sich aus dem "Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938" ablesen:

„Die wachsende Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz erfordert, dass schon seine friedensmäßige Organisation hieraus abgestellt ist. Hierzu ist nötig die Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht...“

Die "dritte Durchführung zum Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 27. September 1939" regelte das freiwillige Feuerlöschwesen, wobei der sog. "Feuerschutzpolizist" seinen Einstellungseid auf Adolf Hitler abzulegen hatte. Die verbliebenen Pflichtfeuerwehren wurden aufgehoben, und die Satzungen der Freiwilligen Feuerwehren mussten verändert werden. Dabei wog die Aufhebung des Wahlrechtes für die Funktionsstellen, insbesondere der Kommandantenstelle, am schwersten. Der Kommandant, nunmehr "Führer", und der "Führerrat" bestehend aus: Stellvertreter, Schrift- und Kassenwart sowie Gerätewart wurden vom "Kreisführer der Feuerwehr" ernannt und durch "Wahl" bestätigt. Dass man hier an einem heiklen Punkt rührte, mag ein Ausschnitt aus einem Rundschreiben des Innenministers an die Landräte vom 13.09.1936 zeigen:

„ ... - Dem Führergrundsatz kann aber auch ferner bis zu einem gewissen Grade dadurch Rechnung getragen werden, dass den Mitgliederversammlungen die Mitglieder des Führerrats, auf deren Wahl die Polizeibehörde besonderen Wert legt, zuvor benannt werden. Dies wird vor allem auf die Führer der Wehr und deren Stellvertreter zutreffen.... Bei der Wahl der übrigen Mitglieder des Führerrats ... wird den Mitgliederversammlungen in der Regel eine größere Freiheit gelassen werden können. .."

Wie aus dem Schreiben hervorgeht, ist die Feuerwehr den Polizeiverbänden - und auch den politischen Verbänden SA und SS - zugeordnet worden. Wenngleich die Hildrizhausener Feuerwehrsatzung von 1889 eigens in Paragraph 6 betont: "Die Feuerwehr ist militärisch organisiert", so entsprach dies den organisatorischen Anforderungen als auch dem Zeitgeist, jedoch mit der Neuordnung von 1936 wurden nun Appelle, Marschübungen und Fußdienst im Übungsprogramm angesetzt. Militärischer Drill und Kommandos gaben nun den Ton an, auch in der Hildrizhausener. Wehr. So wenig dies den meisten behagte, aber ein Fehlen im Dienst fiel mittlerweile gar unter Kriegsrecht und drohte mit unverhältnismäßigen Strafen - es konnte nicht wie bisher mit einer kleinen Geldbuße abgegolten werden.

Nach und nach wurde die Masse der Hildrizhausener Feuerwehrmänner zum Kriegsdienst abgezogen. Wie in fast allen Bereichen nahmen Frauen und Jugendliche im Reich Aufgaben der im Felde stehenden Männer wahr. So wurde auch in Hildrizhausen die Feuerwehr von der Hitlerjugend des Ortes aufgefüllt. Von 1943 bis 1945 bestand ein aus Frauen formierter Löschzug in Hildrizhausen. Er war bereits in der Bombennacht vom 7./8.Oktober 1943 an den schwierigen Löscharbeiten beteiligt.

Mit dem Einmarsch der Besatzungstruppen hörte vorerst alles organisierte Leben de jure auf, und Feuerwehrformationen hatten sich anfangs aufzulösen. Jedoch auch als besetztes Land war die Vorsorge für die Brandbekämpfung eine Notwendigkeit, so dass schon recht schnell nach dem Kriegsende mit Erlaubnis der amerikanischen Besatzungsmacht das Feuerwehrwesen reorganisiert werden konnte. Nach soviel Missbrauch ließ sich ein Neubeginn verständlicher Weise nur recht schwierig an:
Die Notwendigkeit einer Feuerlöscheinheit bestand; so versammelten sich die einsatzfähigen Männer des Ortes im Herbst 1945 vor dem alten Rathaus zur ersten Übung nach dem Kriege. Eine neue politisch unbelastete Führung musste gefunden werden, überhaupt die Feuerwehr wieder zu ihrem eigentlichen Zweck umorganisiert werden. Während dieser Versammlung von teiluniformierten Männern fuhr plötzlich ein Jeep der amerikanischen Besatzungsmacht vor, die Soldaten sprangen heraus, die Schusswaffen im Anschlag. Sie nahmen an, irgendeine jener nazistischen Widerstandsgruppen aufgestöbert zu haben, die die deutsche Kriegspropaganda nur wenige Monate zuvor so grimmig darstellte. Der friedlich-nützliche Anlass dieser Versammlung ließ sich glücklicherweise damals rasch glaubhaft machen, jedoch die Anmeldung der folgenden Übungen wurden sodann nicht mehr vergessen.