Feuerlöschwesen im Wandel

Im Unterschied zu heute, da die allgemeine Feuerwehrpflicht lediglich in der kommunalen Feuerwehrabgabe erkennbar ist und die aktiven Lösch- und Rettungsabteilungen sich in Hildrizhausen ausschließlich aus Freiwilligen zusammensetzen, bestand dagegen die gefeierte Feuerwehrtruppe von 1889 nur zu einem Viertel aus Freiwilligen. Damals war die ganze männliche Bevölkerung Hildrizhausens zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr zum aktiven Lösch- und Rettungsdienst verpflichtet. Lediglich „die Steigerabteilung einschließlich der Retter und Schlauchleger wird, soweit tunlich, aus Freiwilligen gebildet". Dieser Zug bestand 1889 aus 19 Mann und einem Obmann. Mit dem Kommandanten und dessen Stellvertreter machte die freiwillige Abteilung weniger als ein Fünftel der 121 starken Hildrizhausener Feuerwehrtruppe aus. Dennoch bedeutete diese Formierung einer besonderen, geschulten Freiwilligenabteilung einen Einschnitt in der Organisationsgeschichte des Feuerlöschwesens in Württemberg.

Die Entwicklung im Herzogtum Württemberg

Aus dem Jahr der Erhebung Eberhards im Bart zum Herzog von Württemberg 1495 stammte die früheste, erhaltene allgemeine Landesordnung, welche durch Sicherheitsvorschriften und feuerpolizeiliche Kontrollmaßnahmen die Brandgefahren begrenzen sollten. Herzog Ulrich forderte nun 1515 landesweit, dass eigens eine Feuerglocke in Unterscheidung zur Kriegsglocke Brandalarm geben solle. Aus diesem Zeitraum sind jetzt auch einzelne, schriftliche Quellen erhalten, die etwas über die lokalen Feuerlöschorganisationen aussagen: Abgabe bzw. Bezahlung von ledernen Feuerlöscheimern oder die Bildung einer Menschen kette, welche die Eimer von der Schöpfstelle zum Brandherd durchreichte. Später werden weitere Landesordnungen zum Feuerlöschwesen getroffen (1567,1621), wobei nun ausdrücklich alle Gemeindemitglieder zur Hilfeleistung verpflichtet wurden. Die Löschgerätschaften, Eimer, Leitern und Feuerhaken hatten sie laut jener Vorschriften selbst mitzubringen. Gewiss wurden bei diesen Anordnungen lediglich die bereits (lange) bestehende Praxis beschrieben, als eine organisatorische Neuerung angewiesen. Es wird jedoch bemerkbar, wie die staatliche Lenkung immer tiefer auch in lokale Organisations- und Verwaltungsstrukturen eingreift. Diese Verdichtung der Landesherrschaft, die unter Eberhard im Bart zielstrebig in Gang gesetzt worden war und im Zuge der reformatorischen Reformen volle Schubkraft entfaltete, lässt sich auch an einem solch speziellen Bereich wie dem Feuerlöschwesen ablesen. Der absolutistische Herrschaftstil strebte Direktive Anordnungen an.

Die Landesfeuerordnung von 1752 verlangte „tüchtige und wohl verzinkte Eimer". In der Feuerordnung wurden u. a. die männlichen Löschhelfer nach ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit in verschiedene Rotten eingeteilt. Die Funktion eines „Feuerreiters", der die Brandnachricht sowie Hilfeanforderungen an die Nachbargemeinden, bzw. zur Residenz zu übertragen hatte, wird in ihr beschrieben.
Nach den Statuten der Residenzstädte Stuttgart und Ludwigsburg von 1703,1716 und 1720 übernahm sodann die Stadt die Anschaffung der Feuerlöschgeräte. In den Landgemeinden blieb hingegen die Regelung noch lange gültig, dass jeder Neubürger einen Löscheimer abzuliefern hatte und auch bei der Heirat eines Gemeindebürgers eine solche Abgabe getan werden musste.

Um die Effizienz der Feuerwehr zu erhöhen, wies die allgemeine Feuerlöschordnung von 1808 den Männern bestimmter Handwerksberufe Sonderfunktionen bei der Brandbekämpfung an. Planmäßige Löschübungen kamen hinzu.



Brandverhütung und Schadenshilfe

Neben den Maßnahmen zur Brandbekämpfung dürfen die Anstrengungen der Brandverhütung nicht vergessen werden. Im Zuge der Bildung von festen Löschmannschaften und schriftlichen Fixierung der Brandbekämpfungsmaßnahmen in herzoglichen Befehlen finden sich in der bereits oben erwähnten Württembergischen Landesfeuerordnung von 1752 schon zahlreiche Bauvorschriften und Maßgaben zum Betrieb von Feuerstellen. Hierin wurde u. a. die regelmäßige Reinigung der Kamine gefordert (vierteljährlich), Betriebe, die mit feuergefährlichen Stoffen arbeiten sollen an den Ortsrand gelagert werden (Pechbrenner, Ölsieder), es soll künftighin im gemeindlichen Waschhaus gewaschen werden, oder offenes Feuer in Scheunen durch Rauchen und Fackeln wurde verboten. Häuser durften fortan nur mit Ziegel gedeckt werden und:

,, ... auch auf denen Dörfern keine Backöfen, Branntwein-, Wasch und Brauzugleichem die zum Lichter- und Seifenmachen gebrauchend Kessel und Feuerstätten, sodann keine Rauchkammern, Obstdörrenen und dergleichen, ohne vohero durch der Sache Kundige eingenommenen Augenschein, und erhaltener Erlaubnis an schädlichen und der Gefahr exponierten Orten der Bauordnung zuwider aufgeführt werden...“

Diese "durch der Sache Kundige" wurden vom Gemeinderat bestellt und als sog. Bau- bzw.
Feuerschauer eingesetzt. Sie übten in der Regel ein Handwerk im Baugewerbe aus und brachten von daher die nötige Sachkenntnis mit. Die Aufgabe des Nachtwächters bestand zum großen Teil darin, nach Brandgefahren Ausschau zu halten. Bis 1935, bis zur Einführung einer nächtlichen Straßenbeleuchtung, unterhielt Hildrizhausen einen Ortsnachtwächter. Die Brandschadensversicherung wurde durch Herzog Karl Eugen 1773 für jeden Hauseigentümer in Württemberg verbindlich. Bei der Bauschau wurden - wie auch heute noch üblich - Bauauflagen beaufsichtigt, die Feuerschau überprüfte allgemein die Feuersicherheit im Dorf. Für jedes Gebäude wurde ein Versicherungswert veranschlagt.

Mit der Einführung einer gesetzlich verbindlichen Brandschadensversicherung 1773 entstand in Württemberg eine finanzielle Absicherung für Notfälle. Zuvor konnten Brandgeschädigte einzig bei ihrer Verwandtschaft oder von der Dorfgemeinschaft Hilfe erwarten. Die enge Ortsbebauung und die Verwendung leicht brennbarer Baumaterialien (bis 1752 war Stroh als Dachbedeckung im Herzogtum Württemberg zulässig) liessen einen einzelnen Brand sofort zu einer Gefahr für den ganzen Ort werden. Als Beispiele für verheerende Stadtbrände seien aus dem 18. Jahrhundert die Städte Sulz am Neckar (1720 und 1794), Balingen (1724), Schömberg (1750) oder Göppingen (1782) zu nennen. Aber auch das vorderösterreichische Horb (1725) und die Reichsstadt Reutlingen (1726) erlitten in diesem Zeitraum schlimme Grossbrände. Um das Überleben der Gemeinde nach einer solchen Brandkatastrophe zu ermöglichen, wurden Deputationen der örtlichen Honoratioren zusammengestellt, damit sie dann mit einem herrschaftlichen oder oberamtlichen Erlaubnisschreiben ausgestattet die Städte und Dörfer im Lande um Wiederaufbauhilfe baten. Wolfgang Burr berichtet in seiner Darmsheimer "Geschichte des Feuerlöschwesens", dass sich 1782 im dortigen Rekriptenbuch ein oberamtlicher Erlass findet, der den Opfern des großen Stadtbrandes von Göppingen eine Brandsteuer gewährte.